icon-ackerbauAckerbau

So funktioniert ein Mähdrescher

So funktioniert ein Mähdrescher

Hightech auf dem Feld

Wenn man einen Mähdrescher auf einem Feld arbeiten sieht, erkennt man meistens nur, das er vorne Getreide in sich „hineinfrisst“ und hinten das Stroh wieder „ausspuckt“. Ab und zu kommt ein Trecker mit einem Anhänger vorbei und holt das Korn ab. Aber wie schafft diese Maschine das Korn vom Stroh zu lösen und zu sortieren?
Wir haben Euch hier, in einigen Bilder und Skizzen, die Funktionsweise eines modernen Hightech-Mähdreschers einmal aufgezeigt.

Mähdrescher Skizze

Durch den Einsatz modernster Technik und Elektronik werden Mähdrescher immer Leistungsstärker. Groß-Mähdrescher haben ein Gewicht von über 10 Tonnen, eine Motorleistung von über 400 PS (über 300 kW) und eine Arbeitsbreite von etwa 9 Metern. Doch der Grundaufbau hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht verändert.

Ein Mähdrescher besteht im Wesentlichen aus folgenden Baugruppen:1.   Motor
2.   Fahrwerk
3.   Schneidwerk
4.   Dreschtrommel
5.   Schüttler
6.   Reinigung
7.   Korntank
8.   Strohverarbeitung
9.   Kabine (od. Fahrerstand)
10. Sonderausrüstung

 

Das Schneidwerk


Abb.3a: Haspel, Schnecke, Schneidwerkstisch mit Messerbalken und Ährenheber.

Das Schneidwerk mäht das Getreide ab. Es wir auf hydraulisch höhenverstellbaren Kufen vor dem Mähdrescher her geschoben. Ährenheber (Abb.3a: rote Zinken) heben eventuell liegende Getreidehalme an. Ein Messerbalken schneidet die Halme ab, während die Haspel (Abb.3b: sechseckige Trommel) die Ähren vorsichtig „vorlehnt“. Dadurch fallen Körner, die sich bereits jetzt aus der Ähre lösen, nicht auf das Feld, sondern auf den Schneidwerkstisch.
Die sich drehende Schnecke (Abb.3a, Bildmitte) erfasst nun die abgeschnittenen Getreidepflanzen und führt sie dem Kettenförderer im Einzugskanal zu, der wiederum alles zur Dreschtrommel fördert.

 

Mähdrescher können natürlich nicht nur Getreide dreschen, sondern mit Sonderzubehör oder Austausch des Schneidwerkes auch Mais, Raps, Sonnenblumen, Flachs, Bohnen, Grassamen, Reis und vieles mehr. Anmerkung: Da die Schneidwerke heute breiter als 3 Meter sind, werden sie bei Fahrten auf der Strasse eingeklappt oder abgekoppelt und hinten angehangen.


Abb.3b: Die Haspel „legt“ das Getrei

 

Die Dreschtrommel


Abb. 4a: Funktionsweise der Dreschtrommeln

Die Dreschtrommel trennt ca. 90% der Körner von den Halmen. Verschiedene Trommeln (Abb.4a) drehen sich mit sehr hoher Geschwindigkeit (ca. 10 bis 30 m/sek. je nach Art der Frucht). Dabei werden die Körner ausgeschlagen und durch die Zentrifugalkraft (=Fliehkraft) ausgedroschen. Das Dreschgut (Körner, Spelzen, Kurzstroh) gelangt durch den Dreschkorb (Sieb, Abb.4b) direkt in die Reinigung.
Je nach Art der zu dreschenden Körner (Sonnenblumen, Raps, usw.), können Körbe mit größeren oder kleineren Löchern eingesetzt werden.
Das Stroh mit den restlichen Körnern kommt weiter auf den Schüttler.


Abb. 4b: Vergrößerung von Dreschtrommel und Dreschkorb

 

Der Schüttler


Abb.5a: Nach der Dreschtrommel folgt der Schüttler

Der Schüttler lockert und das Stroh ganz intensiv. Sogenannte Horden werden von Kurbelwellen in gegenseitig kreisende Bewegung versetzt. Dabei fallen auch die restlichen Körner aus und gelangen durch die Löcher im Boden zur Reinigung.
Das Stroh wird durch die Horden weiter nach hinten zur Strohverarbeitung befördert. Anmerkung: Bei einigen Mähdrescher-Modellen besteht der Schüttler aus zwei in Längsrichtung rundlaufenden Trommeln (Axial-Flow-Prinzip).

 

Die Korn-Reinigung


Abb.6a: Blick auf ein Sieb

In der Reinigung sollen die Körner von fremden Bestandteilen (Spreu, Grannen, Kurzstroh, Unkrautteilen) und den leichteren „toten Körnern“ gereinigt werden. Die Reinigung besteht in modernen Mähdreschern aus einem kombinierten Sieb-Druckwind-System (Abb.6b): Das Dreschgut fällt durch verstellbare Siebe nach unten. Größere Bestandteile, wie Strohreste, passen nicht durch die Löcher und werden „ausgesiebt“ und nach draußen befördert.
Außerdem bläst in der Stärke einstellbarer Wind zwischen die Siebe hindurch. Kleinere und leichtere Fremdbestandteile werden erfasst und gelangen ebenfalls zurück auf das Feld.


Abb.6b: Schema der Sieb-Druckwind-Reinigung

Die nun übriggebliebenen Körner werden durch einen Elevator (Höhenförderer) in den Korntank befördert.

 

Der Korntank


Abb.7a: Über einen Arm gelangt das Getreide auf den Anhänger.

Im Korntank werden die Körner im Mähdrescher zwischengelagert bis sie auf einen LKW oder Trecker-Anhänger umgeladen werden. In einen Korntank passen je nach Größe ca. 1.000 bis 10.000 Liter Körner. In nur 2 Minuten werden sie durch den seitlichen ausklappbaren Arm mit integrierter Förder-Schnecke umgeladen. Dabei braucht der Mähdrescher nicht anhalten – er entlädt die Körner beim Fahren und drischt dabei weiter.

 

Die Strohverarbeitung


Abb.8a: Stroh wird in Reihen abgelegt

Meistens wird das Getreidestroh einfach als Langstroh wieder auf dem Feld abgelegt (Abb.8a). Anschließend wird es von anderen Maschinen in Ballen gepresst, auf den Hof geholt und zur Einstreu von Tieren verwendet.
Da Stroh aber auch einen Düngewert hat (es liefert dem Boden z.B. wertvollen Humus), verbleibt es oft auch auf dem Feld. Ein eingebauter zuschaltbarer Strohhächsler (Abb.8b) zerkleinert die Halme, so dass sie schnell verrotten und untergepflügt werden können.


Abb.8b: Eingebauter Strohhächsler

 

Die Kabine
Da das Mähdreschen auf großen Getreidebetrieben oft mehrere Tage in Anspruch nimmt und eine sehr laute und staubige Arbeit ist, werden moderne Mähdrescher oft mit schallschluckenden, klimatisierten Kabinen ausgestattet. Durch große Fenster und auf übersichtlichen Displays hat man alle Arbeitsvorgänge genau im Auge.


Abb. 9a: Moderne geräumige Kabine


Abb. 9b: Computergestütztes Bordsystem

Computergestützte Bordsysteme und weitere Sonderausrüstungen helfen dem Fahrer sämtliche Funktionen genau zu kontrollieren und zu steuern. Dadurch kann die Leistung und Qualität auch unter extremen Bedingungen (z.B. feuchtes Getreide, schräges Gelände) erreicht werden.

 

Die Sonderausrüstung
Der Fortschritt geht auch an der Landwirtschaft nicht vorbei. So können Computer im Mähdrescher helfen, Erträge zu steigern oder Kosten einzusparen.Satelliten-Ortung:
Wird der Bordrechner mit einer Satelliten-Ortungstechnik (GPS) verbunden, kann auf Ertragskarten (Abb.10a) nach der Ernte genau bestimmt werden, auf welchem Teil des Feldes welche Menge gedroschen wurde. Für die Zukunft kann dann z.B. gezielter gedüngt werden.


Abb. 10a: Ertragskarte durch Satelliten-Ortungstechnik

Kommunikations-Netzwerk:
Durch ein Leitungs-Netzwerk im gesamten Mähdrescher kommunizieren die verschiedenen Einzelsteuerungen miteinander. Fehler oder Beschädigungen können schnell erkannt und beseitigt werden. Über ein Kartenleser oder Kabel können die Daten auch später an ein Notebook übergeben und ausgewertet werden.


Abb.10b: Kommunikations-Netzwerk

Und vieles mehr…
Natürlich gibt es noch mehr Sonderzubehör, die einem die Arbeit erleichtern können und/oder dem Landwirt zu mehr Gewinn verhelfen. Als weitere Beispiele genannt seien der automatische Hangausgleich, das klappbare Schneidwerk oder die automatische computergestützte Maschineneinstellung.

 

Videos zum Mähdrescher

Hier erhaltet ihr einen Eindruck aus der Kabine des Mähdreschers mit Blick auf das Schneidwerk.