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Düngung

Gülle – ein wertvoller Naturdünger

Ein Landwirt bringt seine Gülle bodenschonend mit Schleppschläuchen aus.

Puh, das stinkt aber!

So denken viele Menschen, wenn sie Bauern jetzt mit Traktor und Güllefass auf der Straße sehen – und auch riechen.  Pflanzen, die im Frühjahr aus der Winterruhe erwachen, brauchen für ihr Wachstum besonders viele Nährstoffe.  Dies ist für Bauern der optimale Zeitpunkt Gülle zu fahren und die darin enthaltenen Nährstoffe auf ihren Feldern auszubringen.

Heute wird die Gülle mehr und mehr mit Hilfe moderner Technik  -bodennah über so genannte Schleppschläuche ausgebracht. Dies verhindert Verluste von  Nährstoffen, sichert eine gleichmäßige Verteilung der Gülle und mindert darüber hinaus den Geruch beim Ausbringen.

Die Bestandteile von Gülle

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Wasser

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feste Stoffe

Was ist in der Gülle enthalten?

Gülle besteht zum größten Teil aus Wasser mit darin gelösten Nährstoffen und organischer Substanz sowie einigen Mineralstoffen. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, hängt von vielen Faktoren wie beispielsweise der Tierart, der Fütterung und der Zuleitung von Niederschlagswasser ab. Der Trockensubstanzanteil, also der Anteil fester Stoffe in der Gülle, liegt bei Schweinegülle bei 3 bis 7 % und bei Rindergülle etwas höher bei 6 bis 10 %.

In der Gülle sind die für die Pflanzen wichtigen Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphat (P2O5), Kalium (K2O) sowie Magnesium (MgO) enthalten. Außerdem kommen noch zahlreiche Spurennährelemente vor (Quelle: Landwirtschaftskammer NRW).

Landwirt Dirk Nienhaus erklärt, wie er Gülle ausbringt

Wir schauen Dirk Nienhaus aus Bocholt beim Gülle fahren über die Schulter und lassen uns erklären, was dabei zu beachten ist.

Warum wird Gülle überhaupt verwendet?

Gülle hat zwei unschlagbare Vorteile: Sie enthält meist alle wichtigen Nährstoffe für die Pflanzen und liefert gleichzeitig organische Substanz für den Boden. Pflanzen brauchen Nährstoffe, um zu wachsen und das zu bilden, was wir ernten wollen: Beispielsweise die Kartoffelknolle oder das Getreidekorn.

Hier kommt es aber nicht nur auf die Menge an, sondern auch auf die Qualität. Beides ist – neben anderen Faktoren wie der Sortenwahl und der Wasserversorgung – auch von den zur Verfügung stehenden Nährstoffen abhängig.

Der zweite, ganz wichtige Teil der Gülle ist die organische Substanz, die den Humusgehalt des Bodens aufbaut. Ist der Boden mit Humus angereichert, kann er Nährstoffe und Wasser besser halten und wieder an die Pflanzen abgeben (Quelle: Landwirtschaftskammer NRW). Im übrigen hilft Gülle, Mineraldünger und damit Erdöl einzusparen. Das ist nachhaltig und schont die Umwelt.

So wird Gülle heute ausgebracht

Gülle ist ein wertvoller Dünger, der möglichst ohne großen Verlust bei den Pflanzen im Boden ankommen soll. Hierfür setzen die Bauern heute moderne Verteilverfahren ein – in der Regel wird Gülle mit so genannten Schleppschläuchen ausgebracht. Aus diesen Schläuchen fließt die Gülle direkt auf und in den Boden.

Das heute diese teure Technik eingesetzt wird hat mehrere Gründe:

  • Wenn Gülle möglichst wenig Kontakt zur Luft hat reduziert das die Geruchsbelästigung.
  • Klimaschädliche Stickstoffverluste werden vermieden, die den Landwirt bares Geld kosten.
  • Mit modernen Maschinen, die in der Regel auch größer und teurer sind, kann die Gülle exakter verteilt werden. Dies sorgt für eine bedarfsgerechte Düngung der Pflanzen.

Der Gülle-Knigge

An diese Regeln halten sich Landwirte, wenn sie im Sinne guter fachlicher Praxis Gülle fahren:

  • Nur Gülle ausbringen wenn es zur Düngung sinnvoll ist.
  • Technik einsetzen, die eine bodennahe Ausbringung der Gülle sicherstellt, Geruchsbelästigungen und Nährstoffverluste mindert.
  • Gülle ausbringen an Sonn- und Feiertagen ist absolut tabu.

Dass die gesetzlichen Vorgaben wie Sperrfristen, Obergrenzen für Mengen oder Regeln zur anschließenden Einarbeitung einzuhalten sind, versteht sich von selber.

Das  Düngerecht setzt den Rahmen

Wie die heimischen Bauern ihre Gülle ausbringen, unterliegt einer umfangreichen rechtlichen Regelung. Das so genannte Düngegesetz und darauf aufbauende Verordnungen regeln Herstellung und Anwendung von Düngemittel. Sie gelten nicht nur für industriell hergestellten Mineraldünger, sondern auch für so genannte organische Dünger wie Gülle, Jauche oder Mist, die im Rahmen der Tierhaltung anfallen.

Die Düngeverordnung regelt,

§ dass Bauern vor dem Gülle ausbringen den Düngebedarf der zu düngenden Feldfrucht ermitteln müssen,

§ dass es klare Obergrenzen für die Menge an Nährstoffen gibt, die eingesetzt werden dürfen, zum Beispiel beim Stickstoff maximal 170 kg/ha und Jahr von organischen Düngern wie zum Beispiel Gülle,

§ dass Bauern nur zu bestimmten Jahreszeiten Gülle (und andere Düngemittel) ausbringen dürfen. Für Gülle gilt die Sperrfrist zum Beispiel bis zum 31. Januar,

§ dass Gülle nur ausgebracht werden darf, wenn der Boden aufnahmefähig, also nicht zu nass ist.

§ dass Bauern für die Zeit der Sperrfrist ausreichende Lagerkapazitäten bereitstellen müssen.

Zusätzlich muss auf einen Sicherheitsabstand zu Gewässern geachtet werden. Auf einem unbestellten Acker ist die Gülle innerhalb von 4 Stunden nach der Aufbringung einzuarbeiten.

Warum stinkt Gülle?

Die Landwirtschaftskammer erklärt dies so: „Gülle setzt vornehmlich vier Gase frei: Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Ammoniak (NH3) und Schwefelwasserstoff (SH2). Den für die meisten Menschen unangenehmen Geruch bei der Gülleausbringung verursachen vor allem der Schwefelwasserstoff sowie die leicht flüchtigen organischen Substanzen.

Diese Gase sind in den bei der Gülleausbringung entstehenden Mengen nicht gesundheitsgefährdend, da sie sich mit der Luft mischen und sofort stark verdünnt werden. Der Landwirt ist gesetzlich dazu verpflichtet, Gülle auf Ackerland schnell in den Boden einzuarbeiten.

Mehr Infos zur Gülle

stellt die Landwirtschaftskammer NRW auf einer umfangreichen Webseite bereit.

Warum düngen Bauern Getreide, Mais & Co?

Landwirt Marco Gemaballa aus Mecklenburg-Vorpommern erklärt, warum er seinen Weizen düngt. Mit moderner Technik werden seine Ackerfrüchte nach Bedarf mit Nährstoffen versorgt. So entsteht ein Brotweizen, ideal für knackige Brötchen oder leckeres Brot. Film ab!