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Maul- und Klauenseuche - Erkennen, Vorbeugen, Bekämpfen
Warum ist Maul- und Klauenseuche so gefährlich? Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist im Welthandel die gefährlichste Seuche für Klauentiere. Da wichtige Märkte für Klauentiere sowie die von ihnen stammenden Erzeugnisse frei von MKS sind, wird jeder Ausbruch in der Europäischen Gemeinschaft zu zeitweiligen Sperrregelungen für das betroffene Gebiet zum Schutz des gemeinsamen Binnenmarktes führen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Drittländer zum Schutz ihrer Klauentierbestände oft noch weitgehendere Sperrmaßnahmen ergreifen. Der große Schaden, den diese Seuche verursacht, resultiert also nur zum geringeren Teil aus der Erkrankung der Tiere, sondern vor allem aus den strikten Handelssperren, Sperrmaßnahmen um den Seuchenherd und langwirkenden Problemen im Absatz von lebenden Tieren und von ihnen stammenden Erzeugnissen. Welche Krankheitserscheinungen treten auf? Die MKS ist in der Regel eine schnell fortschreitende (akut verlaufende), fieberhafte und sehr leicht übertragbare Viruserkrankung der Wiederkäuer und Schweine. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar. Sie ist gekennzeichnet durch einen raschen Verlauf im Bestand und die schnelle Verbreitung über größere Gebiete. Die Erkrankungsrate ist meistens hoch (fast 100 %), die Sterblichkeitsrate jedoch gering (2 bis 5 %). Bei bösartigen Verlaufsformen können allerdings 50 bis 70 % der Kälber und Ferkel sterben. Jedoch gibt es auch mildere Verlaufsformen ohne die beschriebenen Symptome.
Der Speichel hängt in langen Fäden aus dem Maul; oft bildet sich unter den Tieren oder im Futtertrog eine "Speichellache". An der Innenfläche der Lippen, am Zahnfleisch, am zahnlosen Rand des Oberkiefers sowie am Rücken und an den Rändern der Zunge erscheinen Blasen (Schmatzgeräusche sind zu hören). Gleichzeitig entwickeln sich Blasen an und zwischen den Klauen, an der Euterhaut und an den Zitzen. Bei Milchkühen gilt ein schlagartiger Milchrückgang als erstes Alarmzeichen. In den Blasendecken und im Blaseninhalt ist der Krankheitserreger massenhaft enthalten. Nach kurzer Zeit reißen die Blasen auf, und der Heilungsprozess setzt ein, der oft von bakteriellen Folgeinfektionen gekennzeichnet ist. Gleichzeitig erkranken ständig weitere Tiere. Die MKS kann auch in bösartiger Form auftreten. Dabei bewirkt das Virus eine meist tödlich verlaufende, mit Verfall einhergehende Entzündung des Herzmuskels (Tigerherz). Es sind vorwiegend die Klauen, aber auch die Rüsselscheibe oder die Maulschleimhaut befallen. Saugferkel verenden plötzlich ohne Krankheitserscheinungen. Am Gesäuge der Sau treten Blasen oder geplatzte Blasen mit blutigem Grund auf. Größere Schweine stehen nicht auf oder zeigen Schmerzen beim Aufstehen und/oder gehen lahm. Bei genauer Untersuchung sind Blasen am Kronrand der Klauen und im Zwischenklauenspalt sichtbar. Ein Schwein scheidet über die Atemluft so viele Krankheitserreger aus wie bis zu 3.000 Rinder (bis zu einhundert Millionen Erreger). Da der Wind diese weit verteilen kann, sind drastische Folgen denkbar. Bei Schafen und Ziegen sind die Krankheitsanzeichen relativ unauffällig. Am Kronrand, Zwischenklauenspalt, Maulhöhle, Lippen und Euter können Blasen auftreten. Durch die Veränderungen an den Klauen lahmen die Schafe (ist oft einziges Anzeichen). Bei Ziegen kann es zur Bildung schnellplatzender Blasen auf der Maulschleimhaut kommen, während die Klauenveränderungen seltener ausgeprägt sind. Die Futteraufnahme ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Der Erreger der MKS ist ein Virus, das leicht übertragbar ist, eine sehr große Ansteckungsfähigkeit hat und in verschiedenen Typen auftritt. Die Widerstandsfähigkeit des MKS-Virus in der Außenwelt ist relativ hoch:
Dagegen wird das MKS-Virus rasch abgetötet
Wie lang ist die Inkubationszeit? Die Zeit vom Eindringen des MKS-Virus in den Organismus bis zum Aufreten der ersten sichtbaren Krankheitsanzeichen ist die Inkubationszeit. Sie ist unterschiedlich lang und hängt von der Tierart sowie der aufgenommenen Virusmenge ab. Die Inkubationszeit beträgt:
Wie verbreitet sich die Krankheit? Empfänglich für die MKS sind
Das MKS-Virus wird auf direktem Wege übertragen, meistens durch Kontakt von Tier zu Tier, im Stall, auf dem Transport oder auf Viehmärkten. Eine Übertragung ist jedoch auch auf indirektem Weg über Zwischenträger - beispielsweise über Fahrzeuge, Personen (auch durch Urlaubsgäste und Saison-Kräfte), Milch, Knochen, Häute, Borsten, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Küchenabfälle und Luft - möglich . Die MKS ist eine klassische Zwischenträgerseuche. Vor dem Hintergrund der langen Haltbarkeit des Erregers in der Außenwelt und der hohen Ansteckungsfähigkeit kommt auch dem Menschen als Überträger eine große Bedeutung zu (nicht gereinigte und desinfizierte Kleider, Schuhe oder Hände). Die wichtigste Infektionsquelle sind Tiere in der Inkubationszeit. Der Erreger wird in der Regel über die Schleimhäute von Maul und Nase aufgenommen. Das Virus wird bereits Tage vor Ausbruch der Krankheit über den Speichel, Nasensekret, Samen und die Milch ausgeschieden, wenn noch niemand an Vorsichtsmaßregeln denkt. Die von einem Tier ausgeschiedene Erregermenge reicht aus, Hunderttausende andere Tiere anzustecken. Mit Kot und Urin werden nur geringe Virusmengen ausgeschieden. Wie groß ist die Gefahr der Einschleppung? Die MKS ist weltweit verbreitet, besonders in Südamerika, Afrika, einigen asiatischen Staaten und in Staaten des nahen Ostens. Aus diesen verseuchten Gebieten besteht wegen des international sehr ausgeweiteten Handels- und Personenverkehrs ständig die Gefahr einer Einschleppung der MKS. Weitere potentielle Gefahrengebiete sind die südlichen und östlichen Mittelmeerstaaten (z.B. Marokko, Tunesien, Ägypten und Israel) sowie besonders die Türkei (Anatolien). So resultierten in den EU-Mitgliedsstaaten und den Staaten Mittel- und Osteuropas sporadische Ausbrüche in den vergangenen Jahren aus der Einschlep-pung des MKS-Virus aus verseuchten Gebieten. Was ist bei Verdacht auf MKS zu tun? Ein Verdacht muss sofort gemeldet werden (Anzeigepflicht)! Grundsätzlich sollte bei gesundheitlichen Störungen im Bestand immer der Hoftierarzt hinzugezogen werden. Sobald sich bei den empfänglichen Tieren Erscheinungen zeigen, die auf MKS hindeuten könnten, ist dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen. Zuständige Behörde ist in der Regel das örtlich zuständige Veterinäramt; unverzüglich heißt ohne jeden Zeitverlust und ohne schuldhafte Verzögerung. Zur Anzeige verpflichtet sind:
Die zuständige Behörde wird bei Verdacht geeignetes Probenmaterial (Blasenmaterial von Gaumen, Zunge und Klauen, Nasentupferproben sowie Schleimfängerproben aus der Speiseröhre) entnehmen und zur Untersuchung an das nationale Referenzlabor für MKS senden. Das ist die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Anstaltteil Insel Riems, Boddenblick 5a, 17498 Insel Riems oder Anstaltteil Tübingen, Paul-Ehrlich-Straße 28, 72076 Tübingen. Bis zur Vorlage des Untersuchungsbefundes - in der Regel nach etwa 2 bis 3 Tagen - hat der Besitzer sicherzustellen, dass
Die Maßnahmen verfolgen den Zweck, den Seuchenherd schon vor einer amtlichen Feststellung abzuschirmen, um eine Verschleppung des Erregers zu vermeiden. Vor dem Hintergrund der Übertragungswege (siehe Ursache) trägt der Landwirt durch die korrekte und strikte Anwendung dieser Maßnahmen entscheidend zur Seuchenbekämpfung bei. Bestätigt sich der Verdacht durch die Laboruntersuchung nicht, werden die Maßnahmen aufgehoben. Sollte jedoch MKS-Virus nachgewiesen werden, gelten weitergehende Maßnahmen für den Seuchenbetrieb, den Sperrbezirk und das Beobachtungsgebiet (siehe Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet). Wie kann der Landwirt vorbeugen?
Was ist bei Ausbruch der MKS zu tun? Die Bekämpfung der MKS ist in der EU harmonisiert, das heißt es werden zunächst gemeinschaftsweit gleichartige Maßnahmen ergriffen. Bestätigt sich der Verdacht durch die Laboruntersuchung, ordnet die zuständige Behörde Maßnahmen an für
Maßnahmen für den Seuchenbetrieb Die Klauentiere im Seuchenbetrieb werden unverzüglich getötet und in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt unschädlich beseitigt. Die gesamte Hofstelle ist gesperrt und muss vom Besitzer durch Schilder als Seuchenbetrieb kenntlich gemacht werden ("Maul- und Klauenseuche - Unbefugter Zutritt verboten"). Außer den genannten Maßnahmen ist ganz wichtig, dass
Desinfektion von Ställen und Hofflächen Es hängt ganz entscheidend
von der Mitarbeit der Tierbesitzer ab, ob eine Weiterverbreitung der Seuche
verhindert werden kann. Dabei sind folgende Grundsätze zu beachten:
Aufbau einer Düngerpackung mit Branntkalk
Geringe Mengen Festmist desinfizieren
Einrichtung eines Sperrbezirkes Um den Seuchenbetrieb wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 3 Kilometer eingerichtet. Insbesondere wegen der leichten Windübertragung des MKS-Virus kann der Sperrbezirk entsprechend vergrößert werden. Der Sperrbezirk wird von der zuständigen Behörde durch Schilder ("Maul- und Klauenseuche - Sperrbezirk") kenntlich gemacht. Im Sperrbezirk gelten folgende Regeln:
Einrichtung eines Beobachtungsgebietes Im Beobachtungsgebiet (Radius mindestens 10 Kilometer um den Seuchenbetrieb) gelten die Regeln des Sperrbezirks mit der Ausnahme, dass von Anfang an Klauentiere mit Genehmigung der zuständigen Behörde innerhalb des Beobachtungsgebietes verbracht werden dürfen. Die angeordneten Schutzmaßnahmen werden aufgehoben, wenn alle Klauentiere des Seuchenbetriebes verendet oder getötet und unschädlich beseitigt worden sind. Außerdem müssen die Schadnagerbekämpfung, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt, vom Veterinäramt abgenommen und seitdem wenigstens 30 Tage vergangen sein. Warum
wird keine Flächenimpfung durchgeführt? Bis 1992 wurde in Deutschland und in anderen europäischen Ländern gegen 3 Typen der MKS geimpft. Diese 3 Typen waren auf dem europäischen Kontinent verbreitet. Daher machte diese Flächenimpfung Sinn. Letztlich auch mit Hilfe der Impfung sind diese MKS-Typen seit vielen Jahren von unserem Kontinent verschwunden. Die MKS hat aber - ähnlich wie die Grippe - eine Besonderheit. Der Impfschutz wirkt nur, wenn der verwendete Impfstamm weitestgehend mit dem Seuchenstamm übereinstimmt; und Seuchenstämme gibt es viele. In allen anderen Kontinenten bis hin zur Schwelle Europas findet man sie. Sie sind es, von denen die neue Gefahr für unsere Klauentierbestände ausgeht. Gegen die meisten dieser Stämme wäre die alte Impfung unwirksam gewesen. Deshalb müssen wir uns darauf einstellen, gegen diese neuen, sogenannten exotischen Stämme für den Seuchenfall eine Notimpfung durchzuführen. Die Bundesrepublik Deutschland hat hier Vorsorge getroffen und bei der Firma Bayer AG eine Impfstoffreserve angelegt. Diese von 14 Bundesländern getragene Reserve umfasst die 10 wichtigsten Virussubtypen. Sofort stehen von jedem der 10 Subtypen 100.000 Impfdosen zur Verfügung; je 1 Million Dosen können in kurzer Zeit nachproduziert werden. Im Falle einer Entscheidung für einen Impfstoffeinsatz im Rahmen einer Notimpfung (zu der die Mitgliederstaaten nach Unterrichtung der EG-Kommission ermächtigt sind, sofern grundlegende Gemeinschaftsinteressen nicht entgegenstehen) muss - soll sie erfolgreich sein - subtypenspezifischer Impfstoff eingesetzt werden. Selbst bei einer raschen Entscheidung über eine Notimpfung werden immer einige Tage vergehen, bis man den Virustyp ermittelt sowie die Impfung durchgeführt hat und die Tiere einen wirksamen Impfschutz ausgebildet haben. Durch die in der Reservebank vorhandene MKS-Virussammlung kann im Bedarfsfall auch für andere Virustypen Impfstoff produziert werden. Auch auf europäischer Ebene existiert eine MKS-Impfstoffbank, an deren Vervollständigung gearbeitet wird. Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BML), März 2001
Weitere Infos zu MKS beim Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft oder bei Animal Health Online. |
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