|
Home » Haus und Hof » Tuffi |
|
|
Tuffi und die Schwebebahn (eine wahre Erzählung)Als Camilla und Hansi in Wuppertal mit der weltberühmten Schwebebahn fuhren, erzählte ihnen ein netter Schaffner die Geschichte von Tuffi. Tuffi war ein lustiges Elefanten-Mädchen mit einem runden Kopf und vergnügten Augen. Sie wurde im Elefanten-Stall eines indischen Fürsten geboren. Ihr Vater war ein mutiger Elefanten-Bulle mit gewaltigen Stoßzähnen, den der Herrscher immer zur Tigerjagd mitnahm. Mit Tuffis Mutter, die ganz besonders lieb zu Kindern war, ritten die kleinen Prinzen aus. Aus Tuffi wäre sicher ebenfalls ein guter Reit-Elefant geworden. Doch es kam ganz anders. Eines Tages besuchte ein Tierhändler den Elefanten-Stall. Der Fremde suchte für einen deutschen Zirkus ein liebes, gelehriges und mutiges Elefanten-Baby. "Die muß ich haben," sagte er zum Stallmeister, als er Tuffi sah. Doch der wollte sie nicht weggeben, weil seine Kinder so gern mit ihr spielten. Als der Händler aber sehr viel Geld bot, wurde Tuffi doch verkauft. Aus ihr sollte ein Zirkus- Elefant werden. So kam für das Elefanten-Kind der Abschiedstag. In einem Lastwagen brachte man Tuffi nach Kalkutta. Im Hafen wartete schon ein Schiff. Einige Männer banden dem kleinen Elefanten einen Gurt aus Segeltuch um den Bauch und befestigten ihn an einem Kran. Auf diese Weise wurde Tuffi sicher an Bord gehoben.
Für Tuffi begann nun ein neues Leben. Sie tollte mit den Kindern der Artisten umher, freundete sich mit den Clowns an und freute sich, wenn die erwachsenen Elefanten-Tanten in der Manege Walzer tanzten. Aber sie mußte auch fleißig lernen, genau wie Camilla und Hansi in der Schule. Der Dompteur brachte ihr zuerst bei, auf Kommando ganz laut und fröhlich zu trompeten. Dann wurde ihr gezeigt, wie ein Elefant die Trommel schlägt. Zur Belohnung bekam sie ein Stück Würfelzucker, wenn sie alles richtig gemacht hatte. Als sie aber auf einem Bein stehen sollte, war das für sie doch noch zu schwierig. Der Zirkusdirektor ging mit Tuffi jedesmal durch die Straßen, wenn sie in eine neue Stadt kamen. Das war ein guter Einfall. Alle Menschen fanden Tuffi niedlich. Deshalb kamen sie auch alle zur Vorstellung. Vom Eintrittsgeld bezahlte der Zirkusdirektor die Artisten und das Futter für die Elefanten, Löwen, Tiger, Pferde, Affen, Papageien und Kamele, die mit dem Zirkus durch die Welt reisten. In jeder neuen Stadt lud der Direktor die Zeitungsreporter ein. Sie sollten allen Leuten berichten, welche Kunststücke die Artisten und ihre Tiere in den Vorstellungen zeigen würden. Dazu brauchten die Reporter lustige Bilder. Meistens fotografierten sie Tuffi. Sie mußte dazu die komischsten Sachen anstellen. Einmal, das war in Oberhausen, besuchte sie den Oberbürgermeister im Rathaus. Sie überreichte ihm einen großen, bunten Blumenstrauß. In Solingen kletterte sie mit einem Kasten Bier für die Maurer auf ein Baugerüst. In Duisburg machte sie mit den Reportern eine Hafenrundfahrt, und in einigen anderen Städten fuhr sie Straßenbahn. Für das Gastspiel in Wuppertal dachte sich der Zirkusdirektor etwas ganz Besonderes aus. Er rief alle Zeitungen an und sagte:"Wenn wir am 21. Juli 1950 nach Wuppertal kommen, fährt unser kleinster Elefant gleich mit der Schwebebahn." Auf die Schwebebahn sind in Wuppertal alle Leute sehr stolz. Sie hat die Räder auf dem Dach und hält sich mit ihnen an einem Eisengerüst fest. Es ist acht Meter hoch und wirkt wie ein riesiger Tausendfüßler. (Es hat aber nicht tausend, sondern genau 944 Beine). Mit der Schwebebahn, die 10 Kilometer weit über die Wupper und drei Kilometer weit über eine Straße fährt, sollte Tuffi eine kurze Reklamefahrt antreten.
Wenig später rollte die Schwebebahn in den Bahnhof. Der abergläubische Zirkusdirektor machte ein ernstes Gesicht, als er sie sah. Der erste Wagen trug nämlich die Nummer 13. Und die 13 ist für abergläubische Menschen eine Unglückszahl. "Ach je, wenn das nur gutgeht", meinte der Direktor. Er hatte plötzlich gar keine Lust mehr, mit Tuffi Schwebebahn zu fahren und unterwegs den Wuppertalern durch die Fenster ihrer Häuser in die Wohnungen zu schauen. Tuffi zögerte nicht. Sie stieg sofort in die Schwebebahn ein. Auf dem Bahnsteig hinter ihr drängten sich viele Reporter mit Fotoapparaten und Filmkameras. Sie sollten eigentlich nur die Abfahrt von Tuffi fotografieren und dann mit einem Lastwagen auf der Straße neben dem Schwebebahngerüst herfahren. Daran hielten sich die Fotografen aber nicht. Einer von ihnen sagte: "Ach was, ich fahre doch gleich mit." Als er hinter Tuffi in die Schwebebahn stieg, quetschten sich alle anderen ebenfalls in das Abteil. Dort wurde es so eng, daß sich niemand mehr rühren konnte. Der Schaffner hatte Mühe, die Türen zu schließen. Mit Verspätung fuhr die Schwebebahn ab. Schon in der ersten Kurve wurde Tuffi ängstlich. Das Quietschen der Bahn, die Enge und das laute Reden der vielen fremden Leute um sie herum hatten sie unruhig gemacht. Sie wollte raus, nur raus!
Die Menschen auf der Straße trauten ihren Augen nicht. Da fiel doch tatsächlich ein Elefant aus der Schwebebahn. So etwas war seit 1901, als die Schwebebahn eröffnet wurde, noch nicht passiert. "Schließlich ist noch nicht einmal ein Mensch aus der Schwebebahn gefallen," staunten sie. Zum Glück fuhr die Schwebebahn gerade über die Wupper und nicht über eine Brücke. So landete Tuffi im knietiefen Wasser und tat sich nicht weh. Zuerst erschrak sie mächtig. Dann schüttelte sie sich das Wasser aus den Ohren und prustete mit ihrem Rüssel. Sie erholte sich rasch von dem Schreck, denn Baden macht allen Elefanten großen Spaß. Die Reporter und der Zirkusdirektor verließen im nächsten Bahnhof die Schwebebahn. Sie rannten zurück, so schnell sie konnten. Den ersten Fotografen, der am Ufer auftauchte, spritzte Tuffi pitschnaß. Was glaubt Ihr wohl, wie schnell der davonlief und seine Kamera in Sicherheit brachte! Der Zirkusdirektor freute sich, daß Tuffi nur eine Schramme am Po hatte. Zur Sicherheit brachte er sie noch zu einem Tierarzt. Aber auch der fand nichts Schlimmes. Nach der Untersuchung wurde Tuffi durch die Stadt zum Zirkusplatz zurückgeführt. Am Straßenrand standen viele Kinder. Sie wollten das Elefanten- Kind trösten. Doch all die Zuckerstückchen, die ihr die Kinder hinhielten, durfte Tuffi natürlich nicht futtern. Sonst hätte sie schlimm Bauchweh bekommen. In manchen Geschäften in Wuppertal wird heute noch eine Postkarte verkauft, die Tuffis Sturz aus der Schwebebahn zeigt. Diese Aufnahme ist aber gemogelt. Denn von Tuffis Sprung in die Wupper gibt es kein Bild. Die Fotografen waren damals in der Schwebebahn viel zu aufgeregt, um ein Foto zu machen. Dabei hätten sie mit einem solchen Bild viel Geld verdienen können. Eine amerikanische Zeitung wollte für eine Aufnahme sogar 15000 Dollar bezahlen. Was denkt Ihr wohl, wie sich die Fotografen ärgerten, daß sie nicht mit dem Last- wagen neben der Schwebebahn hergefahren waren! Denn von dort aus hätten sie Tuffis Wuppersprung bestimmt fotografiert. "Ist Tuffi wirklich aus der Schwebebahn
gesprungen?", fragten Camilla und Hansi beim Abschied den netten
Schwebebahnschaffner, der ihnen alles erzählt hatte. "Ich gebe
Euch mein Ehrenwort", antwortete er. Dann ließ er die Kinder
aussteigen, schloß die Türen, gab das Signal zur Abfahrt und winkte
ihnen aus der davonfahrenden Schwebebahn so lange zu, bis sie ihn nicht
mehr sehen konnten. ... was wurde später aus Tuffi?Weil viele Kinder immer wieder fragen, was aus Tuffi geworden ist, hier ist die Antwort: Tuffi wurde von ihrem früheren Besitzer an den weltberühmten französischen Zirkus Alexis Gruss verkauft. Aus ihr wurde ein riesengroßer Elefant, der sogar auf einem anderen Elefant einen Kopfstand machen konnte. Jeden Tag zeigte sie das als Star einer Elefanten-Herde in der Zirkus-Manege. Wer den Zirkus Gruss und Tuffi besuchte, mußte
allerdings höllisch aufpassen. Sie hatte sich nämlich angewöhnt,
neugierigen Besuchern alles zu klauen, was sie mit ihrem Rüssel
erreichen konnte. So stiebitzte sie zum Beispiel Handtaschen und
verspeiste sie samt Inhalt.
|
|
|
|
© WLV + Bauernhof.net 2010 |